Reformationspredigt: Plädoyer für die Pressefreiheit

Kirchenpräsident Heimbucher predigt zum #Reformationstag im Allgäu

Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher

Religionsfreiheit darf sich nicht auf die Freiheit einer einzigen Religion beschränken. Das sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher in seiner Predigt zum Reformationstag am Sonntag, 29. Oktober, im Gottesdienst der reformierten Gemeinde Herbishofen im Allgäu.

Religionsfreiheit sei verbunden „mit der Freiheit des Glaubens und Denkens für alle Menschen in allen Ländern dieser Erde“, betonte Heimbucher. Er zog in seiner Predigt eine direkte Verbindung zur Pressefreiheit. Die Verkündigung des Evangeliums bedinge die Freiheit des Wortes, der Meinung und der Presse. Religionsfreiheit sei verbunden „mit der Freiheit des Glaubens und Denkens für alle Menschen in allen Ländern dieser Erde“.
Die Unterdrückung des kritischen Journalismus in vielen Ländern der Welt gehe uns direkt etwas an. „Und seine Verteidigung ist auch unsere Sache.“ Heimbucher erinnerte er an die kürzlich auf der Insel Malta ermordete Journalistin und Bloggerin Daphne Carina Galizia. Sie war den Hinweisen in den sogenannten Panama-Papieren nachgegangen, die auch maltesische Politiker betreffen.
Die deutschen Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu seien noch immer in türkischen Gefängnissen inhaftiert, sagte Heimbucher weiter. Und mit ihnen Tausende andere Menschen, die zu unrecht und ohne Anklage der Unterstützung des Militärputsches beschuldigt würden. „Sie sind Geiseln der Freiheit. Ihr Schicksal geht uns an.“
Heimbucher fügte hinzu: „Wir widersprechen und widerstehen auch denen, die ausgerechnet in unserem Land Presse und Journalisten mit Nazi-Begriffen beleidigen und schlecht machen wollen.“ „Und wir weisen es zurück, wenn Journalisten gerade in den öffentlich-rechtlichen Medien oft rüde beschimpft und sogar an Leib und Leben bedroht werden.“ Die Pressefreiheit sei nicht nur deshalb „Christensache“, weil sich die Reformation einmal genau diese Freiheit zu eigen gemacht habe. „Sondern weil wir als Christen Freunde der Wahrheit sind. Und darum müssen wir auch dafür eintreten, dass sie gesagt werden darf, gerade wenn sie umstritten ist und den Mächtigen nicht gefällt.“
Heimbucher hob hervor, wie die Reformation ohne die Verbreitung durch Medien undenkbar sei. „Die Botschaft eines Martin Luther oder eines Ulrich Zwingli hätte sich im 16. Jahrhundert nicht wie ein Lauffeuer in ganz Europa verbreiten können, wenn es nicht die Erfindung des Johannes Gutenberg gegeben hätte, die Druckpresse.“Die Gemeinde in Herbishofen ist eine von zwei evangelisch-reformierten Gemeinden im Allgäu und eine der ältesten reformierten. Ihre Gründung geht zurück auf die Reformation in Zürich, bis heute ist in den Allgäuer Gemeinden das Schweizer Gesangbuch in Gebrauch.

29. Oktober 2017Ulf Preuß, Pressesprecher / epd