„Gedenken an den Gräbern - gemeinsam weitergehen“

Am 9. November fand in Nürnberg ein interreligiöses Gedenken zur Reichspogromnacht statt. Zum Gedenken waren in diesem Jahr Christen, Juden und Muslime friedlich „miteinander auf dem Weg“Gemeinsam auf dem Weg zum Friedhof der jüdischen Gemeinde Nürnberg - Pfarrer Dieter Krabbe hat es so erlebt:

 
 
 
 
 
"Auf dem Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg fand heuer ein geradezu „interreligiöses Gedenken“ statt: 80 Jahre nach der „Nacht der Schande“, auch „Reichskristallnacht“ genannt (obwohl ja weiß Gott mehr als Glas zu Bruch ging!), gestalteten Vertreter der jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinden Nürnbergs eine Premiere: Zum ersten Mal riefen nicht nur Christen und Juden zum Erinnern auf, sondern wurden darin unterstützt von Ali Nihat Koc, Leiter der muslimischen Begegnungsstätte „Medina“ in der Nürnberger Südstadt. Er erzählte, wie er als türkischer Muslim, der seit seiner Jugend in der Noris lebt, mit der Pogromnacht konfrontiert wurde, wie in der Moschee über den Holocaust (Die Schoah) gedacht und was darüber heute gelehrt wird. Ein eindrückliches Beispiel interreligiöser Begegnung. Der neue Rabbiner der jüdischen Gemeinde sprach zusammen mit dem Kantor das Kaddisch (Heiligkeitsgebet, seit den mittelalterlichen Pogromen auch „Totengebet“ genannt) und das „El male Rachamim“ (Gebet für die Millionen ermordeter jüdischer Frauen, Kinder und Männer). Von christlicher Seite wurden Verse aus Psalm 74 verlesen, ein dem Papst Johannes XXIII. zugeschriebenes Bußgebet, sowie ein Schuldbekenntnis, verbunden mit dem Dank an Gott, dass er neue Anfänge zwischen Christen und Juden ermöglicht hat. Umrahmt wurde das Gedenken von Klezmer-Musik.
Ich selber war von dieser Stunde in der Tahara-Halle (Trauer-Halle) sehr bewegt und habe mich gefreut, dass so viele Gäste unserer Einladung gefolgt sind. Ein Hoffnungszeichen für weitere Begegnungen auf Augenhöhe."


Dieter Krabbe/hs