Abschied von den Zahlen…

Peter Sommerfeld, der Rechner des Synodalverbandes beendet seinen Dienst - ein Gespräch im Rückblick

Peter Sommerfeld ist seit November 2009 der Rechner unseres Syndalverbandes. Im Juni 2018 beendet er nun mit 68 Jahren diese Tätigkeit, um sich mehr seiner Familie widmen zu können. Zeit für einen Rückblick, zu dem ihn sein Heimatpfarrer Herrmann Brill in Grönenbach befragte:

Peter, du gehörst nun seit sieben Jahren zu unserer Kirchengemeinde. Ist es dir eigentlich schwergefallen, bei uns Reformierten heimisch zu werden? 
 
Ich habe nun mehrere Formen der evangelischen Kirche erlebt. In meiner ursprünglichen Heimat die unierte Kirche mit lutherischer Ausprägung (trotz der Nähe zur Schweiz). Dann eine lutherische Diasporagemeinde in Bobingen, der Nachbarstadt zu meinem damaligen Wohnort Wehringen, und zuletzt in Augsburg die Kirche St. Anna. Dort habe ich fast ausschließlich den Predigtgottesdienst in der Gold- schmiedekapelle mit Stadtdekanin Kasch besucht, der in seiner Schlichtheit und Konzentration auf die Predigt dem Gottesdienst bei den Reformierten ähnelt. 
 
 
Gibt es Unterschiede zu dem, wie du vorher Kirche erlebt hast?
 
Zunächst glaube ich, dass es nicht so sehr entscheidend ist, ob reformiert oder lutherisch. Es hängt meines Erachtens sehr stark von der Aktivität der Gemeindemitglieder und der Gestaltungskraft des Pfarrers ab, wie eine Gemeinde erlebt wird. Neu für mich war die Kirche von unten, die Bestimmung der Richtung einer Gemeinde aus der Gemeinde heraus. Keine oder nur wenige Vorgaben von oben. Eine Chance, die jedoch viel Initiative und Verantwortung der Presbyterien erfordert. 
 
 
Seit dem 28.11.2009 bist du ehrenamtlich als Rechner unseres Kirchenbezirks tätig. Wie bist du damals zu diesem Amt gekommen? 
 
Wie so oft im Leben eher zufällig. Meine Frau wusste, dass ich mit Eintritt in die passive Phase der Altersteilzeit eine Aufgabe gesucht habe, die mich auch geistig noch fordert. Da kam die Suche nach einem Nachfolger für Herrn Kalkühler in den Synodenunterlagen 2009 gerade zur rechten Zeit. Nach einem Gespräch mit Herrn Kalkühler und Dr. Braun habe ich mich dann beworben. 
 
 
Du hattest sicher deine Vorstellungen von dem Amt, als du es angetreten hast. Haben sich deine Vorstellungen bestätigt? 
 
Ich hatte in dem o.g. Gespräch eine Tabelle mit den Aufgaben und Zeitaufwand erhalten, insgesamt 24 Stunden im Monat. Begonnen hat es schon damit, dass bei meinem Antrittsbesuch die damaligen Buchhalter diese Aufgabe aufgekündigt haben. Nun haben das Moderamen und ich viele Aufgabenfelder gefunden, die erneuert werden könnten, wie Richtlinien, die Pfründestiftung oder zuletzt die Zuweisung der Baumittel, und somit habe ich viele Verwaltungsaufgaben angenommen, die mit der eigentlichen Rechnertätigkeit wenig gemeinsam haben. Als Folge ist der Zeitaufwand erheblich gestiegen.
 
 
Deine Amtszeit endet im Juni 2018. Gab es besonders schöne und auch besonders belastende Erfahrungen?
 
Besonders erfreuliche Momente waren die vielen Begegnungen mit den Menschen. Auch wenn es nicht immer nur positive Anlässe waren, so haben wir immer einen respektvollen Umgang gepflegt und konnten uns auch nach kontroversen Diskussionen in die Augen schauen. Insbesondere ist es aber auch die Zusammenarbeit mit Präses Simon Froben, das ist mittlerweile ein blindes Verstehen. Eine ebenso schöne Erfahrung war, dass die Kirche nicht statisch ist, sondern Reformen, wenn auch im Kleinen, stets möglich sind. Belastend war für mich die Erfahrung, dass häufig christliche Werte außer Kraft gesetzt werden, wenn es um Macht oder Geld geht. 
 
 
Wenn du deine Arbeit als Kaufmann in einem Unternehmen mit deiner Tätigkeit als Rechner vergleichst: Kam dir etwas als „typisch Kirche“ vor? 
 
Als „typisch Kirche“ empfand ich die behördenähnliche Struktur. Es gibt unendlich viel Gesetze und Richtlinien, die in ihrer Aktualität nicht immer mit der Realität im Umfeld Schritt halten. So sind z.B. diverse externe Listen zu führen, weil Daten in der Buchhaltung nicht greifbar sind. Auch sind die Abstimmprozesse vielschichtiger und somit langsamer.
 
 
Was wünscht du unserer Kirche für die Zukunft? 

Dass es der reformierten Kirche gelingen möge, Wege und Formen zu finden welche die Kirche für die Leute auch zukünftig interessant machen.  


Hermann Brill