Riesen Andrang beim Landeskirchentag in Herbishofen

Über 700 Gäste beim Trefen der Reformierten in Süddeutschland am 28. Juni

Mit der Frage "Hast Du Töne?" eröffnete Pfarrer Metten den bayerischen reformierten Kirchentag. Viele Helfer kümmerten sich um das leibliche Wohl. Jugendliche trafen sich schon am Vorabend.

Zum letzten Sonntag im Juni waren alle Gemeindemitglieder der süddeutschen reformierten Gemeinden ins Allgäu zum "Landeskirchentag" eingeladen. Alle zwei Jahre lädt eine der 13 Gemeinden zu einer Begegnung und zum gegenseitigen Kennenlernen ein. Trotz der großen Entfernungen (von Chemnitz bis ins Allgäu sind es ca. 450 Kilometer) wird der Kirchentag als besonders wichtig angesehen, damit die Gemeinden den Kontakt nicht verlieren.

Schon am Vorabend hatten sich Jugendliche aus ganz Bayern zu einem Jugendgottesdienst getroffen - unter dem Motto "Deutschland sucht den Superreformator". >>>

Die Wettervorhersage verhieß dieses Jahr nichts Gutes: Vormittags dichte Wolken, nachmittags Gewitter mit Starkregen. Natürlich waren die Organisatoren vor Ort auch für diesen Fall gerüstet. Aber die Erleichterung war dennoch groß, als der Himmel im Lauf des Tages immer weiter aufriss und die strahlende Sonne schließlich sogar manche Besucher in den Schatten vertrieb. Zum Glück können sich Meterologen täuschen.

Aus München und Nürnberg waren Busse eingesetzt, aus anderen Richtungen kamen auch Gemeindemitglieder mit ihren Privatautos angereist. Sie wurden in Herbishofen mit Kaffee begrüßt - bis es los ging:

Der Eröffnungsgottesdienst fand dann im voll besetzten Festzelt statt. Neben dem Zelt war eine weitere Reihe von Tischen und Bänken voll besetzt. Die über 700 Besucher wurden von Pfarrer Joachim Metten mit der Frage begrüßt: "Haben Sie Töne?" Nachdem die Kinder und die Musikkapelle "ihre" Töne vorgemacht hatten, waren die Anwesenden nach dem Herkunftsort gefragt, sich akustisch bemerkbar zu machen. Natürlich war die Gruppe der Allgäuer dominierend.

In den Gottesdienst platzte als Gast der Graf Philipp von Pappenheim, der Begründer der Allgäuer reformierten Gemeinden. Er stand Pfarrer Hermann Brill aus Bad Grönenbach Rede und Antwort und erklärte, wie es zur Gründung der Gemeinden kam. Verblüffend ähnlich sah der annähernd 500 Jahre alte Graf allerdings Pfarrer Joachim Metten, der nach seiner Ansprache fluchtartig das Zelt verlassen hatte. Aber solche Zufälle soll es ja bisweilen geben.

Der Kindergartenchor beider Allgäuer Gemeinden erfreute mit seinen fröhlichen Bewegungsliedern die Festgemeinde. Und die Jungschar forderte mit einem Silbenrätsel das Grundwissen der Kirchenmitglieder heraus.

In seinem Grußwort dankte Präses Simon Froben aus Bayreuth den Allgäuer Gastgebern für Ihr Engagement für den Kirchentag. Er ahnte wohl, was noch kommen würde. Vor dem Mittagessen brachten drei Enkelinnen des ehemaligen Herbishofner Pfarrers Heinrich Grob einen Gruß aus der Schweiz mit: das "Zwingli-Lied" aus dem Schweizer Schulsingbuch.

Die Verpflegung der Gäste war nicht nur reichlich, sondern auch gut organisiert. Zahlreiche Helferinnen und Helfer gingen mit den Schüsseln von Tisch zu Tisch. Das anschließend geöffnete Kuchenbüffet wurde aus dem Hintergrund ständig mit verführerischem Backwerk aufgefüllt. So fiel es manchen zunächst schwer, sich dem Nachmittagsprogramm zuzuwenden. Der Klang von Alphörnern blies zum Aufbruch zu den Programmpunkten: Ein Teil der Besucher wanderte zur Bullinger-Ausstellung in die zweite Kirche der Gemeinde auf dem Theinselberg. Alternativ wurde die Besichtigung eines Bauernhofs angeboten und ein Offenes Singen in der Kirche. Für die Kinder gab es Ponyreiten, "Spiel ohne Grenzen" und für die Jugendlichen eine Kletterwand.

Alle waren so bei der Sache, dass sie die Zeit vergaßen und so konnte Pfarrer Metten erst mit etwas Verspätung den Reisesegen sprechen, mit dem sich die Gäste auf den Heimweg machten. Möglichst mit einer >>>Festschrift im Gepäck, die den "Reformierten im Allgäu" gewidmet ist und deren 450-jährigem Bestehen in den zwei Gemeinden Bad Grönenbach und Herbishofen. Im Herbst wird dieses für die Geschichte des reformierten Protestantismus in Deutschland wichtige Jubiläum noch ausgiebig gefeiert werden.

Das Festzelt war bis auf den letzten Platz besetzt
Zu Besuch: Graf Phillip von Pappenheim
Kinder singen im Gottesdienst und bewegen sich dazu
Das Kuchenbüffet war unerschöpflich
Das Kinderprogramm wurde gut angenommen

Georg Rieger
Süddeutsche reformierte Jugend veranstaltet Castingshow 'Deutschland sucht den Superreformator'

Ein Jugendgottesdienst eröffnete den Landeskirchentag der evangelisch-reformierten Kirche Süddeutschlands in Herbishofen.
Festschrift zum 450. Jubiläum erschienen

Die Allgäuer reformierten Gemeinden gehören zu den ältesten Deutschlands. Und sie haben eine sehr außergewöhnliche Geschichte und Gegenwart.